Abgeschickt von Oliver Nolte am 21 November, 2005 um 13:30:12
Antwort auf: Tuberkulose oder doch ein anderer Infekt? von Isabell am 19 November, 2005 um 23:51:29:
Hallo,
vorweg muss ich klarstellen, dass ich an dieser Stelle keinen ärztlichen Rat geben kann (schon Berufs wegen nicht) und auch keine Ferndiagnose stellen kann.
Ich will dennoch versuchen, einige konkrete Hilfestellungen zu geben.
Der Tuberkulose-Hauttest (Tyne-Test oder Mendel-Manteaux-Test) gibt zunächst einmal nur darüber Auskunft, ob bereits ein Kontakt zu dem TB-Erreger bestanden hat. Zwar lässt der Einfluss der BCG-Impfung ('TB-Impfung') auf den Hauttest nach einigen Jahren nach, die Reaktion des Tests wird aber durch erneuten Kontakt mit dem Erreger wieder verstärkt. Eine sehr starke Reaktion kann Hinweis auf eine Erkrankung sein, muss es aber nicht. Auch eine unsachgemäße Applikation des Stempels kann zu stärkeren Reaktionen führen. Die beschriebene Reaktion ist aber sicher ungewöhnlich.
Dennoch: die Diagnose einer TB ist alleine über den Hauttest nicht zustellen sondern nur in Verbindung mit dem klinischen Bild, einem auffälligem Röntgenthorax und einem Erregernachweis, vorzugsweise aus Sputum.
Nach einer TB-Infektion dauert es mehrere Wochen bis Monate, bis es zu einer eindeutigen Symptomatik kommt. Die beschriebene Erkrankung steht also entweder nicht im zeitlichen Zusammenhang mit dem Bulgarien-Aufenthalt oder wenn doch, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um eine TB. Wenn der Partner in verhältnismäßig kurzer Zeit Symptome entwickelt, haben die vermutlich ebenfalls nichts mit einer TB zu tun. Beides Hinweise, die gegen das Vorliegen einer TB sprechen.
Auch wenn eine TB mit Nachtschweiß einhergeht, Gewichtsverlust auftritt und produktiver Husten mit Auswurf auftritt, kommen doch auch im konkreten Fall andere Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik in Betracht.
Erreger einer Pneumonie/Lungenentzündung, um die es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit handeln kann, sind neben Streptococcus pneumonie (Pneumokokken), Staphylococcus aureus und anderen 'typischen Erregern' auch gelegentlich 'untypische Erreger' wie Legionellen, Chlamydien oder Mykoplasmen. Diese untypischen Erreger sprechen allerdings nicht immer gleichermaßen und gleich gut auf eine antibiotische Behandlung an. Der Erfolg einer antibiotischen Therapie kann generell individuell sehr unterschiedlich ausfallen (abhängig vom Erreger, der für eine Infektion verantwortlich ist und von den individuellen Eigenheiten des Patienten).
Was also ist bei einem Versagen der antibiotischen Therapie sinnvoll?
- das Sputum/ der Auswurf oder ggf. Sekret aus den betroffenen Stirnhöhlen sollte auf Pneumonie-Erreger UND (Ausnahme Stirnhöhlensekret) auf TB-Erreger untersucht werden. Die Untersuchung muss umfassen die typischen bakteriellen Erreger wie Pneumokokken, Staphylococcus aureus oder Pseudomonas aeruginosa aber auch die atypischen Erreger wie Chlamydia, Mycoplasma und die respiratorischen Viren, allen voran das Influenza-Virus. Über den Urin kann auf eine Legionella-Infektion untersucht werden.
Diese Untersuchungen sind teilweise aufwändig, sollten aber von der Kasse ersetzt werden. Diese Untersuchungen machen aber nur Sinn im ganzheitlichen Kontext mit der Erkrankung. Die Entscheidung für oder gegen eine solche Untersuchung muss also der behandelnde Arzt treffen.
Bei Verdacht auf eine TB (obwohl die Schilderung eher dagegen spricht) noch einmal Röntgenthorax, ggf. Nachweis spezifischer Lymphozyten im Elispot Verfahren (siehe bei Labor Enders in Stuttgart unter http://www.labor-enders.de/ dort http://www.labor-enders.de/58.0.html dort Nachweis M. tuberculosis-spezifischer T-Lymphozyten als pdf-Datei). Die Behandlung einer TB erfordert mehrere Antibiotika gleichzeitig. Bei Nachweis anderer Erreger muss die antibiotische Therapie entsprechend angepasst werden.
Letztlich scheinen sich aber die Lungensymptome ja insgesamt gebessert zu haben. Nach einer respiratorischen Erkrankung kann es durchaus auch etwas länger dauern, bis der Organismus sich wieder erholt hat. Bspw. wäre es nicht ungewöhnlich, nach einer durchgemachten 'echten Grippe' noch für einige Zeit körperlich geschwächt zu sein, bleibenden Husten zu haben und insgesamt neben der Spur zu sein.
Was Ihren Partner angeht sollte man zumindest im Hinblick auf eine TB zunächst einmal abwarten was bei der Diagnostik bei Ihnen raus kommt. Die Symptome bei Ihnen sind nicht wirklich typisch für eine TB und der positive Hauttest hilft hier auch nicht wirklich weiter. Sollte dennoch durch eine mikrobiologische Abklärung in Verbindung mit anderen Verfahren eine TB nachgewiesen werden, sollte bei Ihrem Partner der Hauttest und zwei Röntgenthorax-Aufnahmen im Abstand von sechs Monaten gemacht werden um zu untersuchen, ob er sich angesteckt hat und wenn ja, ob die Infektion zur Erkrankung führt.
Letztlich bleibt bei den meisten Mitteleuropäern eine TB-Infektion ohne gravierende Folgen. Die meisten Menschen, die sich infizieren, erkranken nicht an der TB. Soviel gerade zur 'Statistik'.
Viele Grüße,
Oliver Nolte